Dienstag, 1. Juli 2008

Gib mir die richtigen Worte

Dies war mal ein ganz besonderes Haus.

Es war ein Haus, in dem regelmäßig gemeinsam gefeiert wurde.

Es war ein Haus, in dem man sich füreinander stark gemacht hat.

Es war ein Haus, in dem zum Dies Academicus interessante Menschen zu interessante Themen gesprochen haben.

Es war ein Haus, in dem der Dies Academicus gut besucht war, weil interessante Menschen zu interessanten Themen sprachen.

Es war ein Haus, in dem man sich in die Gruppenliste zum Begegnungswochenende drängelte, nicht weil es Pflicht war, sondern weil man gerne miteinander reiste und den Gottesdienst als Herausfordeung und nicht als Last angesehen hat.

Es war ein Haus, in dem man am liebsten volle drei Stunden am Frühstückstisch saß, weil man die Unterhaltung genoss.

Was ist uns davon geblieben? Wer erinnert sich überhaupt noch daran, das es mal so war?
Es ist schon lange vorbei.

Was uns heute begegnet, sind Frustration, Streit und Resignation. Wer sich früher engagiert hat, hat nun schon fast das Handtuch geworfen und die Wenigen, die sich noch engagieren, werden dies auch bald tun - zurecht, denn was nützt schon der Tropfen auf dem heißen Stein. In endlosen Debatten wird über Nichtigkeiten verhandelt, weil man sich, wenn es um Wichtiges geht, für machtlos hält.

Wagt man es doch einmal, Protest anzumelden, dann wird er totgeredet.
Als Studenten kommen wir her, wie unmündige Kinder behandelt man uns aber und irgendwann hat man nicht mehr die Kraft und die Lust, sich zu wehren.

Wer einen Blick auf die Homepage wirft, der mag sich fragen, wo denn das Wohnheim ist, das da beschrieben wird :

"[Wir wollen]in christlicher Gemeinschaft zusammenleben, unseren Glauben teilen, unsere Kenntnis der eigenen und anderer Konfessionen erweitern und lernen, als Menschen aus verschiedenen Kulturen miteinander zu leben. So wollen wir unsere Kirchen bereichern und deren Einheit in versöhnter Verschiedenheit fördern helfen."

Finden wir hier wirklich "individuelle Begleitung und Unterstützung", "kostengünstiges und angenehmes Wohnen" und eine "soziale Gemeinschaft von Christinnen und Christen aus aller Welt"?

Diesen Beschreibungen zufolge mag man denken, es handele sich hier um ein reges Miteinander, was man aber tatsächlich beobachten kann, ist nur ein träges Nebeneinander.

Aber ist das unsere Schuld? Sind wir etwa hierhergekommen, mit dem festen Vorsatz, alles zu ruinieren?

Ich könnte beim besten Willen keinen einziges Mitbewohner nennen, der nicht versucht, das Beste zu geben. Aber wohl einige, die nicht mehr wissen, was das noch bringen soll. Mehrere, die enttäuscht wurden. Viele, denen es nicht gedankt wurde. Sie haben es aufgegeben und man kann es ihnen nicht verdenken.

Denn unseren Ambitionen sind Grenzen gesetzt. Nein, das ist gelogen, gesetzt sind sie keineswegs, denn das würde ja bedeuten, dass sie ganz fest verankert sind, aber dem ist so nicht. Die Grenzen bewegen sich - und zwar auf uns zu. Es ist so eng hier geworden, dass jeder gute Gedanke, jeder Einfall, jede Idee auf Anhieb verkümmern muss.

Es ist bestimmt zu teuer.

Es ist sicherlich zu weit weg.

Es bringt vielleicht gar nichts.

Ich glaube nicht, dass das machbar ist.

So weit ist es also gekommen. Ein Haus voller Menschen, denen man nachsagt, sie könnten mit ihrem Glauben Berge versetzen, die werden sofort ins Aus versetzt, denn hinter allem steht die nängernde Sorge, dass es Probleme geben könnte. Könnte!
Ja, gibt es denn etwa noch keine?

Zum Begegnungswochenende fahren 50 % nicht mit, zum Dies kommt ein Drittel der Bewohner, den Theologencup will sich auch keiner holen und in den Andachten stehen zwei Besucher beim Gebet.

Das Essen wird gestohlen, die Milch kommt weg, der Weltladen wird beraubt, die Bücher aus der Bibliothek fehlen.

Die Putzfrauen streiken, die Küche ist schlecht gelaunt, die öffentlichen Toiletten werden abgesperrt.

Ist das Alles unsere Schuld? Wirklich?
Nun, wir tragen sicher unseren Teil dazu bei, denn auf gut Deutsch gesagt, wir haben keinen Bock mehr. Aber auch das ist doch sicherlich nicht aus uns selbst entstanden. Wir sind nicht perfekt, wollen es auch gar nicht sein und müssen über die Utopie Ökumene, die in den Prospekten auf Hochglanz beworben wird, ja selbst schon lachen.

Ohne Frage könnten wir selbst mehr tun um die Situation zu verbessern. Aber wie siehts denn auf der anderen Stufe aus?

"Weil ich Jesu Schäflein bin,
freu' ich mich nur immerhin
über meinen guten Hirten,
der mich wohl weiß zu bewirten,
der mich liebet, der mich kennt
und bei meinem Namen nennt"



Ist schon ein schönes Lied, oder? Stell ich mir toll vor, als kleines Schäflein auf der Wiese zu tollen und so einen prima Hirten zu haben. Denn machen wir uns nichts vor: Wenn Viele zusammen klar kommen müssen, dann braucht es einen, der den Überblick hat, der die Truppe zu lenken weiß und der Tadel und Lob im gerechten Maße auf seine kleine Herde verteilen kann.
Wenn der nicht da ist,
springen die Schäflein auseinander und verlaufen sich.

Wir sind nicht gerade eine leichte Herde.

Wir erwarten auch keinen göttlichen, allwissenden und allsehenden Hirten.

Wir wären schon zufrieden,
wenn's nur ein Hirte wäre.

Ihr Lieben!

Es wäre dumm von mir, zu erwarten, dass dieses Haus wieder so wird, wie es einmal war. Aber ich bitte euch, lasst nicht zu, dass man euch die Luft zum atmen nimmt. Lasst euch nicht alles gefallen. Lasst euch nicht gehen.

In diese Gemeinschaft zu kommen war das Beste, was mir passieren konnte. Die Freundschaften, die ich hier schloss und die Erfahrungen, die ich hier machte, haben mir ermöglicht, aus mir herauszuwachsen.

Aber für wie viele Menschen wird das noch so sein?

Ich bitte euch, erhaltet das Haus am Leben.
Lasst euch nichts vorschreiben.
Lasst euch nicht für dumm verkaufen.
Sprengt die Grenzen.


Habe die Ehre,
Teresa ohne h

Montag, 26. Mai 2008

Die Begegnung der dritten Art

Liebe Kollegiaten und Kollegiatinnen,

es ist mal wieder so weit! Das am schlechtesten organisierte Get-Together steht vor der Tür und es wächst der Drang, den eigenen Kopf gegen diverse harte Gegenstände zu schlagen vor Verzweiflung. Rollen wir doch einmal die Misere von Anfang an auf.

Das erste Problem ist, was man im Englischen so schön "Mischief" (= Unfug) getauft hat: Die vielen Fehlinformationen und fehlenden Informationen. So manches Küken kommt ja hier an und hat freilich keine Ahnung, um was es sich überhaupt handelt, wenn da ganz groß vom "Begegnungswochenende" gesprochen wird. Woher auch, als Otto-Normal-Motor, äh, -Mensch stellt man sich da ja eher das Eintreffen von 54 UFOs auf dem Odeonsplatz vor als die Kaffeefahrt in benachbarte Kirchgemeinden. Und dagegen wird auch erst einmal wochenlang nichts unternommen - keine Zusammenfassung, keine Erläuterung, keine Bilder, keine Erfahrungsberichte.
Irgendwann stehen dann mal Datum und Ziel fest und auf einem Flyer im Postfach. Da weiß man dann zumindest schon mal, dass die 54 UFOs nicht auf dem Odeonsplatz landen, sondern in Würzburg. Außerdem erfährt man, dass man sich auch an einem speziellen Tag auf das Event vorbereitet und denkt sich, klar, da basteln wir Spruchbänder mit den Aufschriften "Willkommen auf der Erde!", "Du bist Deutschland!" und "Elvis lebt!".
Aber früher oder später erfährt man dann, was es wirklich auf sich hat mit den kommenden Begegnungen und das auf denkbar ungünstige Art und Weise: Durch Dritte. Und da stehen in einem ideellen Haus die Chancen 50 zu 50 das man an eine Person gerät, die eher zu den Leuten gehört, welche sich ungern integrieren und noch ungernerer (Ich habe einen tollen Komparativ gebaut) etwas organisieren. Wie gesagt, in einem ideellen Haus. Hier ist es eher die Wahrscheinlichkeit von 90 zu 10, denn, um mal ganz mit der Wahrheit rauszurücken, von 50 Einwohnern sind hier vielleicht gerade mal eine Handvoll zu gebrauchen wenn es um Erledigungen geht. Einer weiteren Handvoll möchte ich sogar unterstellen, dass sie sich permanent vor jeder Aufgabe und Verantwortung drücken. Der Rest schwimmt so in der Mitte. Also sorgen mehr oder minder negativ gesonnene Menschen für die Aufklärung zum Thema Begegnung und da das nicht sehr motivierend ist, werden neue Küken zu doofen Hühnern und wollen nicht mit.

Der zweite Misstand enthält das Wort Katastrophenplan und kennzeichnet sich dadurch, das er nicht vorhanden ist. Man nehme eine Handvoll Drückeberger, drei bis vier doofe Hühner, eine zu beschäftigte Fraktion "in-der-Mitte-Schwimmer" und einige wenige der engagierten Spitze, die leider verhindert sind. Was dabei rauskommt ist eine Beteiligung unter aller Sau und für die ist nicht vorgesorgt.
Wo könnte da jetzt ein Katastrophenplan greifen? Genau da, wo es um die Anzahl von Gemeinden geht. Wenn nur zehn bis zwanzig Mann mitfahren und man die dann auf fünf Gemeinden verteilt, dann erhält man keine Begegnung sondern magere, unrepräsentative und peinliche Trüppchen, die dann erklären dürfen, warum es ein Haus mit fünfzig Leuten nicht schafft, mehr zu bieten.
Warum also geht Kaiser Augustus nicht erst einmal sein Volk schätzen bevor er die Herbergen in Vorfreude versetzt? Wieso steht die Gemeindezahl vor der Partizipientenzahl fest? Das darf man sich doch schon mal fragen.

Was nun noch die Kirsche obendrauf ist, das sind Erwartungshaltungen. Es ist ein altes Lied, und schon die Eltern haben es oft gesungen: "Von dir hätte ich mehr erwartet." Ja, natürlich. Weil man sich bisher immer zum Deppen für gemacht hat, warum jetzt damit aufhören? Man ist doch so ein liebes, gutes Haustier gewesen, warum pinkeln wir jetzt dem Herrchen ans Bein? Weil wir es leid sind, die Pantoffeln im Maul herbeizutragen, deswegen. Während für andere der Generalablass "Der/Die ist halt so, das weißt du doch..." gilt, müssen wir immer zu den eigenen hundert Prozent noch die fehlenden neunzig der anderen mit tragen und da platzt einem doch wahrlich die Hutschnur.

Nein, ich gehe mich nicht auf die Begegnung vorbereiten, während doofe Hühner schon wieder in meiner Küche herumgackern.
Ich gehe lieber auf mein Zimmer. Und male Spruchbänder. Elvis lebt nämlich, und das müssen die Aliens erfahren.

Habe die Ehre,
Teresa ohne h

Montag, 25. Februar 2008

Wir woll'n doch nur spielen

Liebe Bürger und Bürgerinnen des landeskirchlichen Problemhauses für schwer erziehbare Christen!

Nicht umsonst haben wir uns eine Spielesammlung gewünscht, denn nichts ist uns lieber als das Spiel. Doch nur ungern beschränken wir uns auf die Brettspielkreationen dieser Welt, nein, das wäre uns zu unspektakulär. Unsere Favoritenliste sieht ganz anders aus als die des Otto-Normal Wohnheimsinsassen, daher mal eine kleine Übersichtstafel nebst den erschwinglichen Einkaufspreisen.

1. "Stille Post"
Was für ein herrliches Spiel! Einer sagt was, der Andere flüstert es weiter und wenn dann endlich der Letzte etwas zugeraunt bekommt, dann hat sich der Flüstersalat so weit von der ursprünglichen Nachricht entfernt wie es nur eben möglich ist - aber darum geht es ja auch. Das Spiel hat einen ungeheuren Suchtfaktor und keiner kann sich der regen Tuschelei entziehen. Ist das nicht gemeinschaftsfördernd? Alle spielen mit!

Kostenaufwand:
Spottbillig zu haben, vor allem, da man es nie aus eigener Tasche zahlt. Kostet lediglich die Privatsphäre anderer Menschen - unverbindliche Preisempfehlung!

2. "Und raus bist du!"
Man sollte einen Award verleihen für die schönen Abzählreime, mit denen wir so gekonnt die unliebsamsten Figuren aus dem Boot werfen. Manch einer wirft sich da gleich lieber selbst.

Kostenaufwand:
Mitspieler - der Schwächste fliegt.

3. "Bäumchen wechsle dich"
Es ist kein Spiel, nein, es ist eine wahre Kunst und wer sie unduellierbar beherrscht, den erwartet ein hohes Amt als Belohnung. Oh, ja, da muss man schon fit sein, mal hier lachen mal dort zustimmen, mal hier nicken und mal dort Beifall klatschen. Manch ein Bäumchen beherrscht die Strategien schon einwandfrei und hier der kleine Trick für Trittbrettfahrer:
Keine Wurzeln schlagen! Da bleibt man flexibel und kann jederzeit wieder in den Garten der Konkurrenz hüpfen.

Kostenaufwand:
Hier wankt das Preisleistungsverhältnis; zu oft sollte man das Spielchen nicht probieren!
Man kennt es ja: Ein Baum ohne Wurzeln erzeugt faule Früchte und wenn man immer nur Schatten bringt, setzt es die Axt. Baumkronen, hütet euch!

4. "Blinde Kuh"
Das Schöne an diesem Spiel ist, dass es in so vielfältigen Variationen vorkommt.

Spiel A : Man verbinde allen Spielern die Augen und lasse sie dann nach der einfachen Lösung für ein Problem suchen. Dieses haben sie eigentlich genau vor der Nase, aber das sehen sie ja nicht. Um es so richtig schwer zu machen, versteckt man noch eine ganze Reihe ganz, ganz komplizierter Lösungen im Raum - dann kann man drauf wetten, dass die umherwandelnden Blinden über eine davon stolpern. Mordsgaudi!

Spiel B: Man stellt eine ernste Sache in den Raum und dann verbinden sich alle Mitspieler gleich selbst die Augen. Wer es irgendwann nicht mehr aushält mit der Augenbinde und sie abnimmt, der ist dann der Depp der sich um die Sache kümmern muss. Da kommt Freude auf!

Spiel C: Eine Variation von Spiel B, tritt gelegentlich bein hoher Ausdauer der Spieler auf. Keiner nimmt die Augenbinde ab, alle Kühe bleiben blind, die ernste Sache eskaliert und mutiert zum Leviathan, der uns dann alle frisst.

Kostenaufwand:
Mit eventuell eintretendem Personenschaden ist zu rechnen, aber noch (noch!) sind die Würfel nicht gefallen...

Spielst du mit?

Habe die Ehre,
Teresa ohne h

Samstag, 2. Februar 2008

Kindisch geht die Welt zugrunde

Kind sein ist nicht immer die praktischste Sache auf der Welt.
Man hat kurze Beine und Ärmchen, darf nicht lange aufbleiben, muss machen was die Erwachsenen sagen und bekommt im Durchschnitt eine ganze Menge mehr Predigten zu hören als jeder Durchschnittschrist, und die sind dann auch nicht gerade vom Thema "göttliche Gnade" durchzogen.

Nein, an so einer Kindheit kleben schon einige Schattenseiten, dass muss man sich eingestehen.
Aber dann gibt es wieder so Momente, da haben Kinder einfach mehr drauf.

Wenn einem Kind etwas nicht passt, dann gibt es Ärger, denn Kinder äußern so etwas ziemlich schnell und wenn man Glück hat in einer erträglichen Laustärke. Da gibts dann auch kein höfliches Schweigen und Ertragen, denn so ein Kind hat von Höflichkeit noch nicht viel mitbekommen und kümmert sich nicht drum, wem es gerade auf den Schlips tritt.
Natürlich erziehen wir das dem Kind so schnell wie möglich weg.
Schade eigentlich.
Gut, gut, niemand mag Kinder die wie eine Sirene anspringen sobald sie mal ihren Keks (Obstteller?) nicht haben dürfen, aber in wievielen Situationen bekommt das Kleine auch für gerechtfertigte Beschwerden einen Denkzettel.
Und nach dem elterlichen"Keine Diskussion!" sieht man nur noch im hochroten Kindergesicht den unausgesprochenen Gedanken: "Das ist jetzt echt nicht fair!", dicht gefolgt vom: "Wenn ich erst mal der Bestimmer bin, dann...!"

Aber was dann? Dann haben wir meist schon gelernt, mit dem hochroten Kopf und dem Fairnessgedanken still in der Ecke zu stehen.

Kinder sind verdammt ehrlich. Man könnte meinen, das wäre eine gute Sache, aber Ehrlichkeit steht in der Erwachsenenwelt nicht gerade hoch im Kurs. Dafür gibt es eine ganze Menge einleuchtende Gründe. Rücksicht, zum Beispiel. Höflichkeit. Unterm Strich Faulheit, denn wir haben meisten gerade absolut keine Lust und schon mal gar keine Zeit um die Wahrheit zu sagen. Ja! Die Wahrheit kommt nämlich nicht so hübsch in fünf Sätzen um die Ecke wie die Lüge, und so Zeit sparend wie ein Schweigen ist sie erst recht nicht, nein, die Wahrheit ist eine ganz furchtbare Angelegenheit, denn man muss sie erklären und verteidigen und...ach, all diese Umstände. Verzeihung, dafür haben wir wirklich keine Zeit.
Außerdem ist sie auch sehr unrentabel, denn sie wird,
welch Ironie, meist nicht geglaubt.

Da sind die Kinder mit ihrer unverzögerten Meinungsäußerung immer etwas unbequem und wie sind wir doch in unser bequemes Leben verliebt!
Nein, nein, lass das mal mit der Wahrheit, lohnt sich nicht.

Ja, sicher, das mit dem Essen ist eine Frechheit.
Aber jetzt denk halt nicht immer nur an dein eigenes Wohl.
Und sei mal rücksichtsvoller.
Und spiel dich nicht so auf.
Bringt doch nichts.
Benimm dich nicht so.
Wie ein Kind!

Amen dazu?

Habe die Ehre,
Teresa ohne h

Montag, 28. Januar 2008

Kammerton A

Liebe Orchersterbesetzung!

Da sind wir nun, im großen Konzertsaal und haben Pauken und Trompeten im Anschlag. Was ist es doch schon für ein Aufwand, bis zu dieser Minute zu kommen. Plakate müssen unseren Auftritt ankündigen, Einladungen und Flugblätter müssen werden verteilt; das Programm muss sauber ausgearbeitet angeschlagen werden und in den Proben hat man sich schon wund gespielt. Und nun - endlich - sind wir auf der Bühne. Aber noch haben wir nicht einmal den Kammerton A gespielt, mitnichten. Das hochverehrte Publikum irrt noch im Saal umher, sucht Plätze und etwas zu trinken, viele sind auch noch gar nicht da, manche werden vielleicht auch gar nicht kommen und der Gong hat erst ein einziges mal zur Ruhe ermahnt.

Was noch keinem aufgefallen ist: Den Instrumentalisten zittern ein wenig die Hände. Verständlich. Einige alte Hasen haben schon lange nicht mehr gespielt und das gewählte Stück fordert schon ein wenig Rafinesse. Andere sind noch Neulinge im Orchestergraben und überlegen sich gerade, ob sie nicht doch lieber ganz heimlich wieder verschwinden sollen - vielleicht bekommen die anderen das ja auch ohne sie hin.

Es war ein hartes Stück Arbeit, sich auf die Beiträge zu einigen. Die einen hatten sich für den "Blumenwalzer" ausgesprochen, andere hätten am liebsten sofort zur "Tarantella" gegriffen. Groß war die Gefahr, das man am Ende gegeneinander geigt und was hätte das für Verwirrungen im Publikum gegeben. Aber zum Schluss konnte man sich doch noch auf "Va Pensiero" und Haydns Paukenschlag verabreden.

Und nun?
Dreimal schlägt der Gong. Noch immer sind nicht alle geladenen Gäste im Saal, aber ein paar Zuspätkommer gibt es ja immer.
Das Publikum sinkt in die Sessel, der Kammerton A erklingt und nun sieht es fast so aus, als ob der Dirigent sich auch zum Podest begeben wollte - aber er zögert, noch weiß er nicht ob er heute überhaupt dirigieren möchte, ahnt er doch schon das die Musikwahl den verwöhnten Ohren der Gesellschaft vielleicht nicht recht schmecken wird. Was, wenn sich am Ende einer verspielt? Sich nicht an die Noten hält? Es ganz furchtbar schief klingt?

Nur Mut, ihr Geigerhände, es sind schon ärgere Töne gespielt worden. Und seht euch um!
Alle sind ganz still und warten.

Habe die Ehre,
Teresa ohne h

Mittwoch, 23. Januar 2008

Habemus Protokoll!

Liebe Kollegiaten und Kollegiaten im Femininum!

Mit Begeisterung habe ich heute das Protokoll der großen DB vom 14. 01. überflogen.

"Der Abstellraum im Keller von Haus 1 ist derzeit verschlossen, weil so viel Gerümpel herumsteht"

Wie wir alles wissen, ist das Sperren von Räumen das adäquateste Mittel um seine Überfüllung zu dezimieren.

Im Haupthaus hat sich der Hausmeister "über den nächtlichen Lärm aus der Küche [über ihm] beschwert [...]"

Auch ja, das ewige Leid. Machen wir Stockwerk 2 zur Säuglingsstation und Stockwerk 1 zum Schonwald des Teufels, dann zieht endlich Harmonie ein (auch wenn gerade keine Zimmer dafür frei sind). Es sei kurz angemerkt, dass weder Musik lief, noch der normale Unterhaltungston überschritten wurde, als der Hausmeister relativ unmüde mit dem Besen gegen die Decke zu klopfen begann.
Ein für allemal, wir sind ein Studentenwohnheim und nicht die Pensioniertenvilla in der Toscana. Und ja, auch wir stehen in den Stunden des Sonnenaufgangs auf und sind trotzdem fit. Wenn man der Frührente noch so fern ist wie unser Hausmeister, sollte einem das zu denken geben. Abgesehen davon: In diesem Wohnheim trifft man zuweilen auf eine immense Bereitschaft an, die Abendgesellschaft aufzulösen, wenn man die Höflichkeit besitzt, diesen Wunsch persönlich vorzutragen. Der Besenstiel taugt nicht so recht zum Dialog.

"Zur Weihnachtsfeier: Gelungene Sache, aber das Spiel mit dem Lieder-Raten war für einige Ausländer zu schwer."

Beunruhigend, wenn man bedenkt, dass eine Spanierin die Zeichnugen dafür anfertigte.

Was die Beteilgungsquote unserer ausländischen Studierenden bei der Organisation diverser öffentlicher Feiern angeht, so ziehe ich das feine, englische "blind eye" vor. Und über die inoffiziellere Übermittlung des genauen Wortlauts, beginnend mit "Ihr Deutschen..." werde ich mich hier auch nicht tot reden.
Ich bin jedoch sehr froh, nicht zum Team der angesprochenen Weihnachtsfeier gehört zu haben, denn aufs Individuum zugeschnittene Rosen und späte Nörgeleien scheinen mir ein seltsamer Dank für die Mühe zu sein.

"Die Küche hat schon Engpässe in der Geschirrversorgung erlebt und kann darauf verzichten."

Die Studierenden haben schon Einiges mit dier Küche erlebt und können, dürfen aber gar nicht verzichten. Den faulen Frustrationshamstern meinen Heimwerkergruß und mein Verständnis.

Ich werde nun einen Spaziergang an der Sonne unternehmen um das Gift des Subtextes wieder aus den Adern zu bekommen.

Habe die Ehre,
Teresa ohne h

Dienstag, 22. Januar 2008

Quo vadis, Steuermann?

Liebe Schiffskameraden!

Jedes Schiff hat ja einen Kapitän und Kapitäne sagen für gewöhnlich, wo's lang gehen soll. Die Crew folgt dann den Anweisungen und wenn sie das nicht tut, dann ist das eine Meuterei und sehr unehrenhaft.

Es gibt allerdings auch sehr merkwürdige Kapitäne auf dieser Welt. Zum Beispiel solche, die eben nicht sagen, wo's lang geht. Das kann zur Folge haben, dass sich das Schiff die ganze Zeit verfährt. Oder jene, die nur ganz selten mal sagen wo's lang geht und dann auch noch in den Momenten, wo die Crew den Kurs zum Umschiffen der Klippen schon ganz richtig bestimmt hat - da macht der Kapitän ihr dann einen Strich durch die Rechnung und man erleidet Schiffbruch.

Und dann gibt es Kapitäne, die einem das Ziel der Reise nicht verraten. Die sitzen Achtern ihn ihrer Kajüte und tüfteln ihre Pläne aus, ohne etwas davon nach außen dringen zu lassen.

Auch nicht besonders schön ist es, Kapitäne zu haben, die ihre Crew die ganze Arbeit allein machen lassen und dann vor dem vollbrachten Werk nicht mal den nötigen Respekt aufbringen.
Oder gar Kapitäne, die einen permanent in den Sturm lenken.

Auch gibt es leider Kapitäne, die für die Seefahrt einfach nicht gemacht sind und für das Befehligen eines Schiffes schon mal gar nicht.

Erst recht nicht, wenn es kompliziert zu steuern ist.

Manchmal, Kameraden, frage ich mich, wo unser Schiff gerade hinfährt, denn die Inseln "Respekt", "Ehrlichkeit" und "Offenheit" umschiffen wir gerne mit großem Abstand. Dabei dachte ich immer, auf der Reise zur Ökumene sollte man diese Inseln doch zumindest einmal besucht haben.

Was bedauerlicher Weise sehr selten vorkommt ist, dass ein Kapitän sich eingesteht, dass er ein wenig verloren ist und mal mit seinen Leuten bei einer Runde Grogg die Sachlage diskutiert. Das wäre in jedem Fall besser, als alle Neuigkeiten von den Schiffspapageien zu hören, denen man nichts vorwerfen kann, denn sie sind zum nachplappern geboren.

Meutereien wiederum haben auch ihren Haken. Wieviele neue Kapitäne hat man schon auf alte Kähne gesetzt und sie sind in den üblichen Gewässern weiter umhergedümpelt.

Was bedauerlicherweise sehr selten vorkommt ist, dass eine Crew sich eingesteht, dass sie ein wenig verloren ist und mal mit dem Kapitän bei einem Grogg die Sachlage diskutiert.
Das wäre auf jeden Fall besser, als alle Neuigkeiten den Schiffpapageien zu erzählen, denen man nichts vorwerfen kann, denn sie sind zur Neugierde geboren.

Alles in allem wär's ohnehin besser, wir würden ein bisschen mehr miteinander rudern anstatt gegeneinander. Bringt nämlich nichts, wenn man nur auf einer Seite stärker ist - dann dreht sich das Schiff nur um sich selbst.

Habe die Ehre,
Teresa ohne h